Rezepte gibt es, wie Pilze im Wald ...


 Hier einige selbst erprobte und als schmackhaft empfundene kulinarische Pilzexperimente


 

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Gern nehme ich Rezeptvorschläge entgegen, die natürlich vor Veröffentlichung zuerst in der eigenen Küche erprobt und wenn als gut befunden, mit dem Namen des Einsenders versehen, an dieser Stelle erscheinen werden.


 

Pilze - immer ein Gedicht (wert)


 

Der Tintling

Auf einer bunten Frühlingswiese
Da grast die Kuh mit Namen Liese.
Sie frisst, verdaut und macht dann Mist,
was biologisch sinnvoll ist.

Und was Sie einmal ausgeschieden,
das wird von Ihr zunächst gemieden.
Dort wächst sodann, dank Dunges Kraft.
Ein sattes Grün, was Inseln schafft.

Aus mykologisch Wissbegier,
ich diese Inseln inspizier.
Entdecke schon nach kurzem Suchen,
´nen dekorierten Fladenkuchen.

Mit weißen Pilzen reich verziert,
was mich zum Foto animiert.
Dazu ist Knien angesagt,
obwohl schon der Meniskus plagt.

Ich wähl den Ausschnitt, fokussier
Und sehe schon im Geist vor mir,
auf Leinwand dann in Großformat,
Coprinus spec. mit dem Substrat.

Da schiebt ein Schatten sich vor´s Licht,
mir brummen Fliegen ins Gesicht.
Doch ich verharr und rühr kein Glied,
auf das der Schatten weiterzieht.

Gebeugte Haltung, Kreuz tut weh,
ich mag nicht glauben, was ich seh.
Die Nerven jetzt schon angesägt,
der Schatten plötzlich Hörner trägt

Ich wend den Kopf, mein Blick erstarrt,
ein schnaubend Nüster, schleimig Bart,
ein furchterregend Kuhgesicht,
bringt mich fast aus dem Gleichgewicht.

Stütz mich noch ab mit einer Hand,
direkt auf Pilz und Fladenschmand.
Ich fluche laut: "Du dumme Kuh",
doch Liese glotzt nur blöde zu.

Dann trottet Sie beleidigt fort,
mit klebrig Hand bleib ich vor Ort.
Schau mir nun an, was da geschehn,
nur eklig Pilzbrei noch zu sehn.

Coprinus spec. bleibt unbenannt,
Substrat hingegen gut erkannt.
Ich muss es nehmen wie es ist,
mit diesem Tintling war´s halt Mist.

(Udo Gömer) 

 

Der Pilz-Fachmann

Ein Mensch, als Schwammerlkenner groß,
Hat ein beklagenswertes Los:
Daß er sich ausruht und gut nährt,
Aufs Land er zu Verwandten fährt -
Statt dessen heißt es gleich: Hurrah!
Jetzt ist der Schwammerlonkel da!

Schon wird mit Freund und Freundesfreund
Den ganzen Tag der Wald durchstreunt;
Dem Menschen wird zur sauren Pflicht
der ambulante Unterricht:
Man hetzt ihn wild bergauf, bergab:
"Schau her, was ich gefunden hab!"

Als Lehrkraft ist er sehr von Nutzen,
Besonders auch beim Schwammerlputzen,
Und nachts noch muß er überwachen,
die Kochkunst, Pilze einzumachen.

Und weil dort jeder Schwammerl mag
Und sie nicht aß seit Jahr und Tag,
Gibt's als Gemüs, Salat und Suppen,
Nur Schwammerl, ach, bis in die Puppen.

Die Kirchweihgans wird erst verspeist,
Wenn er schon wieder abgereist.

(Eugen Roth)

 


 

Die verpilzten Kalender ...