Am offiziell gekürten Pilz des Jahres interessiert? Hier werden sie fündig:

http://www.dgfm-ev.de/category/hauptmenü/projekte/pilz-des-jahres

 

Mein Pilz des Monats 

 

  September 2018


Ein wahrer Gigant im Pilzreich ist der Riesenporling (Meripilus giganteus). Seine aus einer Basis entspringenden fächerartig angeordneten Fruchtkörper erreichen Ausmaße bis fast zwei Metern. Er gilt aggressiver Wurzelparasit, der geschwächte Laubbäume, selten auch Weißtannen, befällt.

Riesenporling (Meripilus giganteus)

Der Riesenporling gehört zu den Weißfäuleeregern, d.h. er zersetzt und wandelt Lignin in Nährstoffe um, die er für sein eigenes Wachstum benötigt. Das befallene Holz zeigt eine sehr helle und faserige Struktur, es ist die Zellulose, die nach dem Ligninabbau (der nur im Pilzreich möglich ist) übrig bleibt. Die Zellulosezersetzung zieht eine sogenannte Braunfäule nach sich, die sich durch würfelartige braune Strukturen auszeichnen und ebenfalls von Pilzen verursacht wird.

In ganz jungem Zustand sind Riesenporlinge essbar - leider in diesen Stadien mit vielen anderen holzaufsitzenen Arten zu verwechseln. Er wird mit zunehmendem Alter zäh und geschmacklich säuerlich-bitter und damit ungenießbar. Ausgewachsene Exemplare sind aufgrund der Größe kaum zu verwechseln. Allein eine Art macht dem Riesenporling in Aussehen und Größe Konkurrenz - der Bergporling (Bondarzewia montana). Untrügliches Unterscheidungsmerkmal ist die auf Druck nicht verfärbende Unterseite - diese färbt sich beim Riesenporling schwarz-braun.

Tauchen die ersten Fruchtkörper des Riesenporlings an einer Baumwurzel auf, ist der betroffene Wirt nicht mehr zu retten und stirbt über kurz oder lang. Der Pilz kann auch nach Fällung des Baums noch jahrlang zu finden sein. Aufgrund dessen, dass die Fruchtkörper oft einige Meter vom befallenen Baum ausgebildet werden, könnte man meinen, sie seien Bodenbewohner, was durch den Erstbefall der Wurzeln begründet ist.




August 2018


Maisbeulenbrand (Ustilago maydis) an Kolben

Ein außergewöhnlicher Vertreter der Pilzwelt ist der zu den Bränden gehörende Maisbeulenbrand (Ustilago maydis). Es gehört zu den hochspezialisierten Parasiten und befällt ausschließlich Maispflanzen. Er galt in Deutschland als rückläufig, da eine Behandlung der Maissaat durch Inkrustierung, seine Ausbreitung verhindern. Mittlerweile kann man ihn wieder häufiger beobachten, woran dies liegt, vermag ich nicht zu sagen. Möglicherweise wird das Saatgut nicht mehr in allen Fällen vorbehandelt, denn ich persönlich fand den Pilz ausschließlich in Maisfeldern, die nicht zur Silageherstellung, sondern für den Einsatz in Biogasanlagen vorgesehen sind. Vor allem in diesem Jahr hatte der Maisbeulenbrand durch die sehr hohen Außentemperaturen und damit einhergehende anhaltende Trockenheit optimale Wachstumsbedinungen und wurde daher auch recht oft entdeckt und gemeldet.

Der Pilz stammt ursprünglich aus Mexiko, wo er noch heute als Delikatesse gilt, gesammelt und in Konserven im Handel als "Mexikanische Trüffel" angeboten wird. Der Geschmack des noch jungen Pilzens, dessen tumorartige Fruchtkörper an den Blüten und den Kolben des Maises wächst, wird mit nussig-süß beschrieben. Ich selbst finde leider immer nur Exemplare, die bereits die schwarzen Brandsporen im Inneren gebildet haben und von daher zum Verzehr nicht mehr geeignet sind.

 

Maisbeulenbrand (Ustilago maydis) an Blütenstand

Häufig geht der Befall der Maispflanzen mit der Heimsuchung der Fritfliege einher, die dem zukünftigen Wirt Eintrittspforten eröffnet.

Eine Giftigkeit von Maisbeulenbrand ist nicht ersichtlich, auch Silagen aus befallenem Mais, die zur Fütterung von Nutzvieh verwendet werden, sind unschädlich für die Tiere.

Das oft im Zusammenhang mit Maisbeulenbrand erwähnte Ergotin, ein Toxin, welches auch im Mutterkorn zu finden ist, verursacht keine Probleme, da die Dosierung verschwindend gering ist - dennoch sollten schwangere Frauen den Pilzgenuss meiden, da es im Verdacht steht, vorzeitige Wehen auszulösen. Dies ist ebenso auf befallene Silagen zu übertragen, so sollten sie nicht an tragende Muttertiere verfüttert werden.




Juli 2018

Marasmius rotula - Halsbandschwindling

Oft übersehen und in seiner Schönheit verkannt, wird der Halsbandschwindling (Marasmius rotula). Er kommt häufig vor und ist in jedem Laubwald zu Hause. Als Saprophyt (Zersetzer) sind Laubholzästchen sowie Blätter und Holzreste sein Substrat. Die winzigen bis zu 1 cm großen Hütchen sitzen auf fädig dünnen, an der Spitze fast weißen, zur Basis hin dunkler, fast schwarz werdenden Stielen, die bis zu 4 cm, in Ausnahmefällen etwas länger. Die geselligen Pilzchen stehen sehr selten allein. Dicht gedrängt fallen sie zwar auf, viele machen sich allerdings nicht die Mühe genauer hinzuschauen.

Kollar von Marasmius rotula

Denn der Halsbandschwindling hat durchaus Verwechslungspartner, so z.B. den Rosshaarschwindling (Gymnopus androsaceus), der im Gegensatz dazu keinen Kollar (Lamellen reichen nicht bis zum Stiel, sondern bilden einen Ring) aufweist. Das ebenfalls sehr ähnliche Käsepilzchen (Marasmius bulliadii) kommt vorzugsweise auf Nadelstreu vor. Im Zweifel muss mikroskopiert werden.

Es gibt allerdings auch noch eine Besonderheit, die nicht unerwähnt bleiben soll: Alle Schwindlinge haben die Fähigkeit nach Eintrocknung wieder aufzuleben, sobald die Luftfeuchtigkeit oder Regen dies begünstigen.

 

 

Juni 2018

Zu den sogenannten Hypogäen, den unterirdisch fruktizierenden Pilzarten, gehört die Hohltrüffel (Tuber excavatum). Aufgrund ihrer Festigkeit und des holzartigen Geschmacks, gilt die zu den Echten Trüffeln (Tuberaceae) zählende Hohltrüffel als ungenießbar. Der Genuss verbietet sich allerdings schon daraus, dass alle Tuber-Arten, auch die in unseren Breiten vorkommende Burgundertrüffel (Tuber uncinatum) dem Artenschutzgesetz unterliegen und in Deutschland nicht gesammelt werden dürfen.

Tuber excavatum - Hohltrüffel

Die auf Kalkböden,  in Symbiose vorzugsweise mit Haselstrauch oder Eiche vorkommende Hohltrüffel ist recht leicht zu erkennen. Sie hat etwa die Größe einer Haselnuss, bei optimalen Bedingungen auch größer. Die Außenseite (Peridie) zeigt sich in der Jugend gelblich-braun, im Alter dunkelbraun werdend und ist stets mit einer Aushöhlung versehen. Sie ist leicht rauh und fühlt sich etwas wie feines Sandpapier an. Im Anschnitt zeigt sich eine jung kaum erkennbare helle grobe Maserung der Gleba (Sporenträgermasse im Inneren) auf hellem Grund, die im fortgeschritteneren Alter nachdunkelt und deutlicher erkennbar ist. Im Inneren zeigt sich auch, dass die Maserung sich um die Aushöhlung „wickelt“. Die erwähnte Härte der Art ist typisch und verstärkt sich noch bei Austrocknung, so dass sie kieselsteinartig fest wird.


Mai 2018

 

Seifertia azaleae

Wer bewundert nicht die teils riesigen Rhododendrensträucher auf Friedhöfen, in Parks und Gärten. Für Pilzbegeisterte lohnt allerdings auch ein genauerer Blick zwischen die farbenprächtigen Blüten. Oft kann man im Frühjahr vor allem an großblütigen "alten Sorten" dunkelbraune bis schwarze ungeöffnete Knospen finden. Zum Verspeisen sind die winzigen schwarzen, bis 2 mm langen Fruchtkörper von Seifertia azaleae, die auf diesen Knospen dicht an dicht sitzen sicherlich nicht geeignet, umso interessanter gestaltet sich ein genaues Hinschauen. Einen offiziellen, einheitlichen deutschen Namen scheint es für die Art nicht zu geben, so nennen ihn einige Autoren Rhododendronknospensterben oder auch Rhododendronknospen-Fäule. Das ist natürlich nicht besonders schmeichelhaft für den kleinen Pilz und so bin ich bei Recherchen auf den Namen Rhododendronknospen-Nadelkissen gestoßen, den ich persönlich für so passend halte, da sein Erscheinungsbild tatsächlich wie ein Kissen voller Stecknadeln anmutet.

Nahaufnahme

Aber wie es immer ist, hat bei aller Begeisterung für Pilze, die Medaille zwei Seiten. Für die Besitzer der Wirtspflanze kann ein nicht behandelter Befall mit der zu den Schlauchpilzen gehörenden Art zum steten Rückgang der Blüte der betroffenen Sträucher führen. Entgegentreten kann man dem Pilz nur durch rigoroses Ausbrechen der betroffenen Knospen und Entsorgung derselben. Bitte nicht auf den Kompost werfen, da eine Ausbreitung erfahrungsgemäß unerwünscht ist. Eine wirksame Bekämpfung mit Funghiziden führt nicht zum Erfolg.

Übertragen wird der Pilz in der Mehrheit der Fälle vermutlich durch die Rhododendron-Zikade (Graphocephala fennahi), die bei der Eiablage die gesunden Knospen im Vorjahr anritzt und dabei die Sporen überträgt. Möglicherweise kann aber auch eine Kontamination durch anderweitige Knospenverletzungen erfolgen. Sollte man diese kleinen hellgrünen, auffällig mit roten Streifen gezeichneten Insekten entdecken, empfiehlt es sich, Gelbtafeln anzubringen, an denen die Zikaden hängen bleiben.

 

April 2018

 

HNA vom 30.04. und 03.05.2018

Eine in diesem Jahr scheinbar sehr häufig auftretende Art ist der Gemeine Schwefelporling (Laetiporus sulphureus). Aufmerksam bin ich in heuer durch einen Leserbrief in der Tageszeitung HNA geworden, den mir eine Freundin zusandte. Darauf war eben diese Art abgebildet, die häufig an Obstbäumen entdeckt wird, allerdings verschmäht sie auch andere Laubgehölze nicht. Die Fruchtkörper sind bereits von Weitem zu erkennen, ihr leuchtendes Gelb ist nicht zu übersehen und macht die Art auch unverwechselbar. Die jungen und butterweichen Exemplare sind auf jeden Fall einen kulinarischen Ausflug wert, ältere Pilze werden rasch zäh und ungenießbar.

Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) an Weide

Geschmacklich sollen Berichten zufolge die an Weide und an Obstbäumen vorkommenden Fruchtkörper am besten sein. Solche an Eiche, die die reichhaltigen Gerbstoffe dieser aufnehmen geben dem Pilz – nach Berichten einiger Autoren – einen bitteren und unangenehm adstringierenden (zusammenziehenden) Geschmack, ähnlich dem Leberreischling. Ebenso sollten Funde an Robinie, Eibe und anderen toxischen Gehölzen nicht für Speisezwecke genutzt werden, da sie die den Bäumen eigenen Toxine aufnehmen, die dann zu Vergiftungen führen können. Nun fällt auf, dass es sich bei der Eibe nicht um einen Laubbaum handelt. Auch an Nadelgehölzen wird hin und wieder der Schwefelporling gefunden. Dabei handelt es sich um den Nadelholz-Schwefelporling (Laetiporus montanus), der vorwiegend in montanen Gegenden beheimatet ist.

Leider ist der Befall mit dem aggressiven Schwefelporling im Regelfall das Todesurteil für den Wirt. Der Pilz breitet sich erst im Kernholz aus, höhlt den Stamm aus und greift dann auf das Splintholz über. Das Vorkommen der Art beeinträchtigt die Verkehrssicherheit der Bäume beträchtlich. 

Wenn die Witterung stimmt und die konsolenartig angeordneten Fruchtkörper ganz frisch sind, kann man - wie bei vielen anderen Porlingsarten auch - Gutationstropfen beobachten :)

 

klare bis hellgelbe Gutationstropfen

 

 

März 2018

  

Scheibenlorchel (Gyromitra ancilis)

Eine früh im Jahr erscheinende Vertreterin der Schlauchpilze (Ascomyzeten) ist die Scheibenlorchel (Gyromitra ancilis syn. Discina ancilis). Vermutlich enthält sie die gleichen Toxine wie andere Lorcheln, nämlich das hitzeinstabile Gyromitrin. Da die Art sehr selten anzutreffen ist, sollte sie bereits aus Seltenheitsgründen für den Speiseplan nicht in Frage kommen. Immer wieder hört und liest man, dass Lorcheln extrem gut abgekocht, giftfrei und schmackhaft seien – ich für meinen Teil unterlasse solche Experimente. Die Scheibenlorchel kann man mit sehr viel Glück vom frühen Frühjahr bis in den Sommer auf totem Nadelholz finden.

 

 

Schildlorchel (Gyromitra parma)

Das ist auch das – neben mikroskopischen Merkmalen – ins Auge stechendste Merkmal zur Unterscheidung der Art zur Schildförmigen Scheibenlorchel (Gyromitra parma syn. Discina perlata), die ausschließlich auf totem Laubholz daheim ist, allerdings ebenso selten wie ihre Schwester. Beide Arten gelten als gefährdet. In Größe, Farbe und Erscheinungsbild ähneln sich die beiden so sehr, dass sie nur unter dem Mikroskop zu unterscheiden sind.

 

 

Weitere Verwechslungen sind u. a. mit dem Morchelbecherling (Discina venosa) möglich. Dieser kommt auf Laubholz vor und sehr viel dunkler in der Farbe. Er zeigt einen starken Chlorgeruch, der bei der Zubereitung verschwindet. Auch hier der Hinweis, dass die Art regional sehr selten und damit als schonenswert gilt.

 

 

Februar 2018

  

Jura-Kelchbecherling (Sarcoscypha jurana)

Schon von Weitem kann man ihn in milden Wintern und sehr frühem Frühjahr entdecken – er leuchtet scharlachrot auf kalkigen Böden auf abgefallenen, teils vergrabenen Laubholzzweigen – Der Jura-Kelchbecherling (Sarcoscypha jurana). Von seinen nahen Verwandten, dem Österreichischen Prachtbecherling (Sarcoscypha austriaca) und dem Scharlachroten Kelchbecherling (Sarcoscypha coccinea) unterscheidet sich die Art ausschließlich mikroskopisch. Handelt es sich bei dem Fund um einen an Lindenzweigen, kommt der in der Literatur oft vom Jura-Kelchbecherling getrennte Linden-Kelchbecherling (Sarcoscypha emarginta) in Frage. In letzter Zeit werden beide Arten zusammen aufgeführt, da die Unterschiede – auch mikroskopisch nicht relevant ausfallen. Aber gleich, welchen der genannten Arten sie erblicken – jede ist wunderschön und sehr selten.

 

 

Januar 2018

Striegeliger Teuerling (Cyathus striatus)

Aufmerksamen Pilzfreunden begegnet der Striegelige Teuerling (Cyathus striatus) rund ums Jahr. Die kleinen becherartigen, an der Innenseite gestreiften Gebilde sind sehr dauerhaft und können oft auch im Winter gefunden werden. Bei diesen „Bechern“ handelt es sich um eine Art Schutzhülle oder Nest (daher auch die Benennung der Gattung als Nestlinge) für die wie Samenkörner erscheinenden kleinen Kugeln, die die Sporen enthalten. Über die Verbreitungsmethodik dieser, auch Peridiolen genannten, Sporenpäckchen besteht Uneinigkeit – zum einen sollen sie durch Regen ausgespült werden und an Grashalmen hängen bleiben, um nach dem Aufplatzen ihre Sporen durch die Luft zu verbreiten. Eine andere Theorie besagt, dass kleine Vögel durch die samenartigen Strukturen angelockt werden, diese aufpicken und bei der nächsten Gelegenheit die Sporen durch den Darm entlassen und so zur Verbreitung beitragen. Ich persönlich meine, dass es eine Kombination beider Möglichkeiten sein könnte. 

Striegeliger Teuerling - Seitenansicht

 

Was auch immer der Hintergedanke der Teuerlinge sein mag, der Mensch hat sich zu früheren Zeiten seine eigene Theorie geschaffen, man meinte dass, wenn viele Peridiolen in einem dieser Becherchen liegen und es dazu noch viele dieser Pilze gäbe, würde das kommende Jahr sehr teuer werden. Dieses Orakel beruht wohl darauf, dass es Teuerlinge ziemlich gern feucht mögen, durch viel Regen im Jahr fielen die Getreideernten oft geringer aus, was zur Erhöhung der Brotpreise führte.

 

Tiegelteuerling (Crucibulum laeve)

Neben dem Striegeligen oder Gestreiften Teuerling gibt es noch viele andere ähnliche Arten, z.B. den Tiegelteuerling (Crucibulum laeve), dem die gleichen hellseherischen Fähigkeiten nachgesagt wurden und der ebenfalls auf alten Nadel- und Laubholzresten wächst.

 

Dezember 2017

 

Langstielige Holzkeule (Xylaria longipes)

In diesem Monat möchte ich einen Pilz aus der Gattung der Holzkeulen vorstellen, die Langstielige Ahorn-Holzkeule (Xylaria longipes). Ihre sogenannten Sammelfruchtkörper sitzen auf toten, am Boden liegenden Laubholzästen, vorwiegend auf Ahorn. Die im Vergleich zur Vielgestaltigen Holzkeule (Xylaria polymorpha) schlankeren Pilze, lassen sich mikroskopisch  durch viel kleiner Sporen unterscheiden. Reife Holzkeulen sind völlig schwarz mit rauer Oberfläche. Bei denen im Foto abgebildeten Exemplaren handelt es sich um die junge Form im sogenannten Konidienstadium. Bei Berührung „stauben“ diese. Holzkeulen gehören zu den Pilzarten, die eine sogenannte Anamorphe (Nebenfruchtform) ausbilden. Diese dient zur vegetativen, also ungeschlechtlichen Verbreitung der Art. 

 

 

Giraffenholz

 

Eine weitere Besonderheit der Langstieligen Ahorn-Holzkeule ist, dass von ihr befallenes Holz unter der Rinde ein kunstvolles Muster tragen. Dieses nennt man Giraffenholz. Es entsteht durch die Demarkationslinien, die die Grenzen zwischen dem Befall der Holzkeule und einem anderen Pilz bilden, häufig dem Ahorn-Krustenkugelpilz (Eutypa maura).

 

 

 

 

November 2017

 

Libertella faginea - Nebenfruchtform des Vierfrüchtigen Buchenastkugelpilzes (Eutypella quaternata)

Als ich noch in den Pilz-Kinderschuhen steckte, fand ich etwas für mich ganz Ungewöhnliches an der Unterseite eines schräg liegenden Buchenstammes. Ich hatte bei dem Fund den Eindruck, es müsse sich um einen Pilz handeln, hatte aber nicht die geringste Ahnung, wonach ich suchen sollte, um zu erfahren, um was genau es sich handelte. Ein Forum (www.pilzepilze.de) gab mir den entscheidenden Hinweis. Libertella faginea – ein deutscher Name ist dafür nicht bekannt. Es handelt sich dabei um die Nebenfruchtform (Anamorphe) von Eutypella quaternata, des Vierfrüchtigen Buchenast-Kugelpilzes (Telemorphe, Hauptfruchtform).

 

Bei Schlauchpilzen ist es nicht ungewöhnlich, dass eine Art verschiedene Stadien ausbildet, um sich fortzupflanzen. Aufgrund der Verschiedenartigkeit des Aussehens und der Fortpflanzung werden die Stadien verschieden benannt. Diese grazilen, grellorangefarbenen schimmernden, fädigen Strukturen sind mir seitdem nicht nochmals begegnet.

 

 

 

Oktober 2017

 

Violetter Mehlschirmling (Cystolepiota bucknallii)

Mit ganz viel Glück bekommt mit an krautigen und feuchten Stellen, besonders bei Brennesseln, einen farbenfrohen Pilz zu Gesicht. Man meint, der Violette Mehlschirmling (Cystolepiota bucknallii) käme direkt aus einer Backstube – auf seinem intensiv violetten Fruchtkörper ist er über und über mit dichten weißen Körnchen bemehlt, die leicht durch Regen oder Berührung vergänglich sind. In Verbindung mit den weißen Lamellen, dem typisch stechenden Cristata-Geruch (einem Geruch, der Schirmlingen oft eigen ist und meist in der Literatur als leuchtgasähnlich beschrieben wird – nur wer weiß schon, wie Leuchtgas riecht - wer allerdings einmal einen Stinkschirmling (Lepiota cristata) unter der Nase hatte, vergisst den Geruch nie wieder)  und den vergänglichen Velumresten am Hutrand kann die Art nicht verwechselt werden. Bereits seine Seltenheit sollte Signal sein: Iss mich nicht! Der nur bis zu 4 cm große Pilz ist giftig, wie viele seiner nahen Verwandten, Mehlschirmlinge und Schirmlinge.

 

 

 

September 2017

  

Schmarotzerröhrling (Pseudoboletus parasiticus)

Der Schmarotzerröhrling (Pseudoboletus parasiticus) hat eine erstaunliche Fähigkeit. Er befällt den giftigen Dickschaligen Kartoffelbovist (Scleroderma citrina), hindert diesen an der Sporenreife und zersetzt den giftigen Bauchpilz – er seinerseits enthält keine Toxine. Das hellgelbe Fleisch des insgesamt in Brauntönen gehaltenen Pilzes, könnte sogar verzehrt werden. Aufgrund seiner allgemeinen Seltenheit sollte man dies allerdings unterlassen. Charakteristisch ist neben dem Aufsitzen auf den Fruchtkörpern von Kartoffelbovisten auch der dunkel punktierte Stiel. Wie der kleine Röhrling in der Lage ist, die Giftstoffe des Bovisten zu neutralisieren, bleibt vorerst sein Geheimnis.

 

Dies wäre durchaus ein Ansatzpunkt für die Forschung. Welches Potential dahinterstecken mag, einen solchen Vorgang zu entschlüsseln und gegen Umweltgifte einsetzen zu können oder auch auf medizinischem Gebiet. 

 

 

August 2017

 

Der gefährlichste Giftpilz unserer Breiten ist wohl unbestritten er - der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) und seine nahen Anverwandten.

Jedes Jahr gehen über die Hälfte der gemeldeten Pilzvergiftungen auf sein Konto - Tendenz steigend. Unter den tödlichen Vergiftungen mit Pilzen ist er die unangefochtene Nr. 1 mit mehr als 90 %. Es ist also unabdinglich, diese Art besonders gut zu kennen. Bei seinem Gift handelt es sich, neben anderen, um verschiedene, sogenannte Amatoxine, die einmal aufgenommen bei jedem Blutdurchlauf die Leber schädigen und unbehandelt unweigerlich mit multiplem Organversagen endet. Bei dem geringsten Verdacht einer schweren Pilzvergiftung sollte sofort die Giftnotrufzentrale kontaktiert, ein Pilzsachverständiger hinzugezogen werden, der die Reste der Mahlzeit, Putzreste oder auch Erbrochenes nach Hinweisen auf den Übeltäter untersucht und vorsichtshalber eine Klinik aufgesucht werden. Bei Vergiftungen mit Amatoxinen (welche auch in anderen Pilzarten vorkommen)  ist jede Minute wertvoll. Wichtig dabei ist immer: Ruhe bewahren und sich an die Anweisungen der Giftnotrufzentrale halten.

Zu den Wulstlingen gehörend, besitzt er (in jedem Altersstadium)  stets weiße, freistehende und weiche, biegsame Lamellen, die weiße ungeriefte Manschette schmückt den genatterten Stiel. Bei dieser Manschette handelt es sich um den Schutz des Fruchtkörpers vor der Sporenreife, das Velum partiale (Teilhülle). 

Seine Hutfarbe reicht vom weiß der Varietät "alba" über alle erdenklichen olivgrünen Töne. Die Struktur der Huthaut zeigt eine radialfaserige Einwachsung, d.h. sie ist nicht glatt, sondern - beim genauen Hinsehen - finden sich feine Streifen von der Hutmitte zum Rand hin. Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist an der Stielbasis zu finden - oft tief im Boden steckend (deshalb bitte nicht abschneiden!) - eine lappige, kräftige Volva, eine Art Tasche, in die der Pilz eingesetzt scheint.  Dabei handelt es sich um die Reste eines Velum universale (Gesamthülle), die den Fruchtkörper im Jugendstadium komplett umschloss. 

Olfaktorisch liegt der Grüne Knollenblätterpilz zwischen Honig, aufdringlich blumig und süß, später hin zu widerlich aasartig.  Geschmacksproben sind unbedingt zu unterlassen!

Finden kann man über den Grünen Knollenblätterpilz vom Frühsommer bis zum Herbst als Symbiosepartner von Eichen, Rotbuchen, Esskastanien und selten auch anderen Laubbäumen. Er kann einzeln oder in großen Gruppen auftreten. Seine Vorkommen sind dabei nicht auf Wälder beschränkt, er fühlt sich auch in Parkanlagen, an Waldrändern und in Gärten wohl.

 

alle Altersstadien des Knolli auf einen Blick

 

Verwechslungen können mit grünen Speise- oder Frauentäublingen (Russula heterophylla und Russula cyanoxantha) auftreten, die ebenfalls weiße Lamellen besitzen und in ähnlichen Habitaten vorkommen. Achtet man jedoch auf die einzelnen Merkmale, kann dies nicht passieren. Täublinge besitzen weder Volva noch Manschette.

Ebenfalls zu den Verwechslungspartnern gehören Champignons (Agaricus spec.) - diese sollten sich allerdings mit einem Blick unter den Hut sofort zu erkennen geben - deren Lamellen sind von Beginn an nie weiß, sondern zart rosafarben bis später schokoladenbraun.

Sehr wichtig ist - das sollte jeder Pilzsammler bestätigen können - jedes gefundene Exemplar eingehend anzuschauen. Pilze verschiedener Arten können durchaus durcheinander wachsen - will heißen ... ein Vorkommen an grünen Speiseäublingen ist ein Glücksfund - dabei nie vergessen, jeden Täubling genau betrachten und als solchen identifizieren. Besteht nur der geringste Zweifel, bitte am Fundort belassen oder separat verpackt und vom übrigen Fund getrennt einem Pilzkundigen vorzulegen. 

Denn so hart es klingt - eine Speisefreigabe für Pilze erfolgt nur, wenn es sich bei diesen tatsächlich um solche handelt, die dafür geeignet sind und sich kein gefährlicher Giftpilz unter dem Fund befindet. Schon Bruchstücke, die Speisepilzen anhaften, können schwere gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Der geringste Verdacht eine Kontamination mit tödlich giftigen Pilzen lässt mich und meine Kollegen den gesamten Korb verwerfen.

 

 

 

 Juli 2017

  

Vergleich Pechschwarzer (oben) und Mohrenkopf (unten)

Ein weißmilchender Sprödblättler mit hervorragender Speisepilzqualität ist der Mohrenkopfmilchling (Lactarius lignyotus). Aufgrund seiner tief dunkelbraunen bis schwarzen Färbung von Hut und Stiel wird er regional auch als Schornsteinfeger bezeichnet. Die Hutoberfläche samtig und die Lamellen in einem scharf abgegrenzten Cremeweiß zum Stiel sind seine Markenzeichen. Leider bevorzugt der schmackhafte Pilz Bergnadelwälder, die vom hiesigen Standort etwas weiter entfernt sind.

Mohrenkopfmilchling (Lactarius lignyotus)

Eben dort kommt auch sein Verwechslungspartner vor – der Pechschwarze Milchling (Lactarius picinus). Er lässt sich jedoch leicht unterscheiden, achtet man auf den runzeligen, rillige Übergang der Lamellen zum Stiel, die dem Mohrenkopfmilchling eigen ist. Zudem enttarnt eine Geschmacksprobe der Milch den „falschen Mohrenkopf“ – er ist stets scharf bis bitter. Ebenfalls zum Verwechseln ähnlich kann der Rußgraue Milchling (Lactarius fuliginosus) ausschauen. Ihn verrät im Regelfall der Standort bei Laubbäumen und ebenfalls ein bitterer Geschmack der Milch.

Tipp: der Mohrenkopfmilchling ist einer der ganz wenigen Pilze, die man auch roh genießen kann. Auf frisch gebackenes Brot mit Butter gehobelt und etwas Salz – ein Gedicht. Aber Vorsicht: Wie immer bei Wildpilzen sollte auch ein möglicher Rohgenuss nicht übertrieben werden, Anhaftungen tierischen Ursprungs sind nicht auszuschließen (erinnere Fuchsbandwurm und andere weniger appetitliche Hinterlassenschaften).

 

 

 

Juni 2017

  

Blutblättriger Zwergschirmling (Melanophyllum haematospermum)

 

Der auf den ersten Blick sehr unscheinbare Blutblättrige Zwergschirmling (Melanophyllum haematospermum) gibt seine Besonderheit erst auf der Hutunterseite preis. Seine blut- bis rostroten Lamellen stehen in jähem Kontrast zu den sonst hellbraunfleckigen Farben von Hut und Stiel, die beide mit pulverig-mehligen, leicht vergänglichen Flöckchen übersät sind. Am Hutrand sind oft Velumreste zu erkennen. Der nur bis zu 5 cm hoch werdende Pilz wächst auf Holzschnitzeln und ist nicht häufig zu bestaunen. Er gilt an ungenießbar. Ähnlich ist sein sehr seltener Verwandter, der Grünblättrige Zwergschirmling (Melanophyllum eyrei).

Verwechslungen können mit dem Blutblättrigen Hautkopf (Cortinarius semisanguineus) vorkommen, dem allerdings die mehlige Oberfläche fehlt. Ebenso unterscheidet ihn der Standort. Der giftige Blutblättrige Hautkopf ist ein Symbiosepilz, der auf zumindest oberflächensauren Böden eine Mykorrhiza mit Nadelbäumen eingeht.

 

 

 

 

Mai 2017

 

Das Frühjahr ist in vollem Gange und die Apfelbäume beginnen zu blühen. Ab Februar bis Mai lohnt sich die Suche nach Verpeln.  Allen voran die Böhmische Verpel (Verpa bohemica). Sie kann bis zu 10 cm hoch werden und versteckt sich oft im Laub und unter Büschen in feuchten und kalkreichen Biotopen. Ähnliche Standorte bevorzugt auch die noch seltenere und etwas kleinere Fingerhutverpel (Verpa conica) sowie die Käppchenmorchel oder Halbfreie Morchel (Morchella semilibera). Ich lese immer wieder, dass sie sämtlichst Auwälder bevorzugen, ich habe in unseren Auwäldern noch nicht eine dieser Arten gefunden. Möglicherweise ist dies regional (Nord-Süd-Gefälle) unterschiedlich. Meine Funde stammen von krautigen Teichufern und aus wärmebegünstigten, feuchten Haselhainen sowie jungen bis mittelalten Ahorn- und Eschenbeständen, gern mit Buchen oder anderen Laubhölzern vermischt. Einigkeit besteht darin, dass die Böden kalkreich sein müssen. Diese zu erkennen, ist kein Hexenwerk – achtet man auf die sogenannten Zeigerpflanzen, z.B. Bärlauch, Schlüsselblume, Anemonen, Pestwurz, Scharbockskraut und – wie ich erfahren habe –  sehr häufig Haselwurz sowie viele andere. Diese Bedingungen gelten auch für die begehrte Speisemorchel (Morchella esculenta). Alle Verpel- und Morchelarten stehen auf der Artenschutzliste und dürfen – wenn überhaupt – nur für den Eigenbedarf in kleinen Mengen gesammelt werden. Einzelexemplare lasse ich für gewöhnlich stehen. Beide genannten Verpelarten sowie die Käppchenmorchel sehen sich sehr ähnlich und sind nicht immer leicht auf den ersten Blick zu unterscheiden.

  

 

Grundsätzlich gilt: Sind die Hütchen nur am Scheitel mit dem Stiel verwachsen, handelt es sich um Verpeln, bei einer Verwachsung von Kopfteil und Stiel bis etwa 1/3 des Hütchens, handelt es sich um eine Käppchenmorchel. Bei allen anderen Morchelarten sind Hut und Stiel komplett verwachsten und bilden bei Aufschnitt eine Einheit. Auch bei den Verpeln kann das Morchella-Syndrom auftreten, d.h. durch wiederholten Genuss in kurzer Zeit und in größeren Mengen kommt es zu zeitweiligen Gleichgewichts- sowie Sehstörungen, hefigem Unwohlsein und derben Magenproblemen. Diese verklingen im Regelfall nach einigen Tagen. Zusätzlich – wie auch bei allen Morchelarten – sind in den Verpeln hitzeinstabile Toxine vorhanden, die bei unzureichender Erhitzung zur einer Magen-Darm-Symptomatik führen.

 

April 2017

 

Leuchtender Prachtbecherling (Caloscypha fulgens)

Auf dem kalkreichen Boden im Garten eines Pilzfreundes fand sich eine Gruppe ungestielter, kleiner und farbenprächtiger Becherlinge. Die selten vorkommende Art Caloscypha fulgens, der Leuchtende Prachtbecherling. Mit ihrer gelb-orangenen Innen- und der oliv-braunen Außenseite ist diese Art unverwechselbar. Alte, ausgeblichene Exemplare können unter Umständen dem Orangebecherling (Auleuria aurantia), der im Regelfall viel größer wird, oder dem Eselsohr (Otidea onotica), welches einseitig geschlitzt ist und keinerlei Orange- sondern Rosatöne enthält, entfernt ähneln. Der Pilz gehört zu den Schlauchpilzen (Ascomyzeten) und zählt nicht zu den Speisepilzen. Eine Suche nach dieser überaus attraktiven Pilzart lohnt von ca. März bis Mai auf kalkreichen Böden, vorwiegend in der Nähe von Nadelbäumen.

 

März 2017

Anemonenbecherling (Dumontinia tuberosa)

Ein unauffälliger kleiner Ascomycet, welcher auf den Wurzeln von Buschwindröschen parasitiert und seine Fruchtkörper kurz vor der Blüte des Wirtes ausbildet– jahrelang habe ich danach gesucht. Eine Pilzfreundin fand eine große Gruppe durch puren Zufall, als sie einer ganz anderen Art auf der Spur war. Wenn man auf den Standort achtet, ist der Anemonenbecherling (Dumontinia tuberosa) unverwechselbar. Gräbt man einen Fruchtkörper vorsichtig aus, stößt man auf einen immens langen Stiel, der in einem Sklerotium mündet oder dieses durchwächst.

 

 

 

Einige Pilzarten wählen diese Methode, um lange unwirtliche Vegetationsperioden zu überstehen, so z.B. auch der Sklerotienstielporling (Polyporus tuberaster) und der Mutterkornpilz (Claviceps purpurea) .

Ein Sklerotium ist eine enge Verflechtung von Myzelsträngen, die uns als – je nach Pilzart – als große Körner oder auch dicke Kugeln erscheinen, die sehr hart sind. In diesem Ruhezustand kann der Pilz zum Teil über Jahre hinweg verharren.

  

 

 

  

Februar 2017

 

Eichenwirrling (Daedalea quercina)

In den kalten Monaten zieht es uns seltener auf Pilzsuche, aber wenn wir in dieser Zeit in Laubwäldern unterwegs sind, wird uns ganz sicher der Eichenwirrling (Daedalea quercina) begegnen. Er ist sehr häufig, bis zu 25 cm im Durchmesser und findet sich meist einzeln oder zu übereinander angeordneten mehreren Exemplaren an Eichenstümpfen. Sein Vorkommen ist ganzjährig. Es handelt sich nicht um einen Speisepilz – sein Fleisch ist fest und erinnert an die Rinde der Korkeiche. Die typisch labyrinthisch angeordneten Poren auf der Unterseite, die fest aber elastisch sind, lassen kaum eine Verwechslung zu.

junge Exemplare des Eichenwirrlings


Die Fruchtkörper des Birkenblättlings (Lenzitus betulinus) sind etwas kleiner, bevorzugen totes Birkenholz und zeigen auf der Oberfläche eine flaumige bis zottelige Schicht.

Interessant ist, dass der Eichenwirrling in früheren Zeit getrocknet  zum Striegeln von Pferden eingesetzt wurde.

 

 







Januar 2017

 

Kleiiger Haselbecherling (Encoelia furfuracea)

In der pilzarmen Zeit lohnt der Blick auf die Äste abgestorbener Haselsträucher. Mit viel Glück entdeckt man den Kleiigen Haselbecherling (Encoelia furfuracea). Die napfartigen, bis zu 4 cm werdenden Gebilde erscheinen in Gruppen über die Wintermonate. Innen dunkler braun als die Außenseite, die eine kleiige, raue Oberfläche besitzt, ist er nicht immer gleich ersichtlich. Zu verwechseln ist er mit dem Braunen Astbecherling, der jedoch sehr viel kleiner ist und um einiges seltener vorkommt. Der Haselbecherling ist ein Schlauchpilz, der sich allein schon aufgrund seiner festen und zähen Konsistenz nicht zu Speisezwecken eignet.

 

Dezember 2016

 

Herber Zwergknäueling (Panellus stipticus)

Eine laubholzzersetzende, vorwiegend Eiche und Buche bewohnende Art ist der Herbe Zwergknäueling (Panellus stipticus). Seine Fruchtkörper sind im vom Frühjahr bis in den Winter hinein zu beobachten. Er ist ein leicht kenntlicher Pilz – mit einem Hutdurchmesser bis zu 3 cm (selten größer), dem konisch nach unten zulaufenden seitlichen Stiel und den durch eine deutliche Linie von den Lamellen abgegrenzten Stiel sind die einzelnen Pilzchen in Gruppen dachziegelartig übereinander angeordnet. Probiert mein ein kleines Stück, schmeckt der Herbe Zwergknäueling nach einem kurzen Moment unangenehm bitter. Unverkennbar ist auch die schuppig-kleiige Hutoberfläche. Zu Verwechslungen kann es unter Umständen mit dem fast weißen Milden Zwergknäueling (Panellus mitis) kommen, der vorwiegend auf Nadelholz wächst, mild schmeckt und keine Brauntöne wie sein bitterer Verwandter aufweist. Der Herbe Zwergknäueling hat die Fähigkeit zur Bioluminiszens des Myzels und der Fruchtkörper, diese allerdings nur bei Stämmen amerikanischer Herkunft. Die europäische Varietät leuchtet nicht.

 

November 2016

 

Gemeiner Schmutzbecherling (Bulgaria inquinans)

Dieser recht große und kräftige, jung kugelige und zunehmend kreiselförmige Becherling, der zu den Ascomyceten (Schlauchpilzen) zählt, begegnet uns im ganzen Jahr. In der eher pilzarmen Zeit lohnt sich also auf die gezielte Suche zu gehen. Als Rindenbewohner findet sich der Gemeine Schmutzbecherling (Bulgaria inquinans) in erster Linie auf den frisch geschlagenen Eichenstämmen am Wegesrand. Seine mattschwarze Oberfläche färbt bei Berührung die Haut dunkel, was ihn von seinem Verwechsler, dem Glänzenden Schwarzborstling (Pseudoplectania nigrella) unterscheidet, da dieser farbloses, der Schmutzbecherling dagegen schwarzes Sporenpulver besitzt. Zu Speisezwecken ist er nicht geeignet. Seine zähe, gummiartige bei Feuchtigkeit und die feste, knorpelige Konsistenz bei Trockenheit schließen dies bereits schon aus. Toxine wurden bisher nicht bekannt, wobei dies auch daran liegen mag, dass eine Untersuchung der Art darauf, nicht von vorherrschendem Interesse ist. Es ist also keineswegs auszuschließen, dass ein Genuss (?) dieses Pilzes zu Unwohlsein oder anderweitigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen könnte. 

Faszinierend ist, dass eingetrocknete Exemplare bei erhöhter Luftfeuchtigkeit wieder aufleben können. Warum sollten wir ihn also finden wollen? Zum einen sind die kastanienbraunen bis schwarzen Fruchtkörper hübsch anzusehen, zum anderen kann man mit ihnen sogar färben von Wolle und Seide. Das Farbergebnis geht, je nach Intensität und Auszug von graubraun bis dunkelgrau.

 

Oktober 2016

Rotschneidiger Helmling (Mycena rubromarginata)

Helmlinge lassen sich fast das ganze Jahr finden. Einer der schönsten, nach meiner Meinung, ist der Rotschneidige Helmling (Mycena rubromarginata). Seine Schönheit gibt und nur demjenigen preis, der sich die Mühe macht, dem etwa 3 – 4 cm hohen Pilzchen unter den Hut zu schauen. Helmlinge ist eine der vielfältigsten und am schwierigsten zu bestimmenden Gattungen, da sich viele ziemlich ähnlich sehen. Als Speisepilze sind Helmlinge im Allgemeinen nicht geeignet – entweder wegen ihrer geringen Größe oder aber auch wegen enthaltener Giftstoffe, wie beispielsweise beim Rettichhelmling (Mycena pura).

  

Befall mit Helmlingsschimmel (Spinellus fusiger)

 

Alle Helmlinge werden gern von einem besonderen Pilz befallen - dem Helmlingsschimmel (Spinellus fusiger), so auch der Rotschneidige Helmling, wie auf diesem Foto zu sehen.

 

 

 

 

 

September 2016

  

Aniszähling (Lentinellus cochleatus)

Eine Pilzart, die man mit der Nase von Sommer bis Herbst finden kann – der Aniszähling (Lentinellus cochleatus). Der eher zurückhaltend in Brauntönen gehaltene Pilz begegnet uns an alten Laub- und Nadelholzstümpfen. Die Art tritt stets in Büscheln auf und zeigt ein trompeten-trichterartiges Aussehen. Sein Geruch macht ihn unverwechselbar. Gemeinerweise kann dieser auch fehlen, dann handelt es sich um eine geruchlose, ebensowenig giftige Varietät des Aniszähling. Möglicherweise lassen geruchlose und wesentlich kleinere Exemplare eine Verwechslung mit dem Genabelten Zähling (Lentinus micheneri)  zu, der nicht essbar wäre. Im Zweifel geruchlose „Aniszählinge“ am Fundort belassen. Im Regelfall ist sein durchdringender Anisgeruch bereits mehrere Meter von seinem Aufenthaltsort her wahrzunehmen. Als Speisepilz ist er eher ungeeignet, sein Name verrät die Konsistenz. Als Würzpilz soll er allerdings gut einsetzbar sein. Ich selbst habe es mit getrocknetem Aniszähling probiert. Das Ergebnis war eher ernüchternd, da beim Trocknungsprozess das Aroma auf der Strecke bleibt. Möglicherweise ist die Verwendung frischer Exemplare erfolgreich. Der Anisgeruch ist im Pilzreich weit verbreitet. So gibt es neben dem genannten noch Arten wie Anis-Champignon und Anis-Trichterling. Allen ist der mehr oder wenig intensive „Weihnnachtsgeruch“ eigen. Man darf gespannt sein, welchen Pilz man entdeckt, wenn man einfach seiner Nase folgt.  

 

 

August 2016 

 

  

Strubbelkopfröhrling (Strobilomyces strobilaceus)

  

Einer der ungenießbaren Röhrlinge ist der vorwiegend auf kalkigen Böden bei Buchen vorkommende Strubbelkopfröhrling (Strobilomyces strobilaceus). Seinen Namen hat er unbestreitbar von den grau/schwarzen, weichen, flaumigen Schuppen auf seinem hellen, fast weißem Hut. Die Röhren sind von Beginn an hell- bis dunkelgrau und verfärben sich auf Druck bräunlich bis schwarz. Die Röhrenmündungen zeigen sich eckig und grob. Schneidet man einen Fruchtkörper auf, läuft durch den Kontakt mit Sauerstoff das Fleisch rosa an und dunkelt dann über rostrot zu schwarz nach.
Sein außergewöhnliches Erscheinungsbild hat ihn für eine Vorstellung ausgezeichnet. Ein Fotomotiv, welches seinesgleichen sucht. Eine Verwechslung ist kaum vorstellbar. Möglicherweise käme der Habichtspilz (Sarcodon imbricatus) in Betracht, der allerdings statt Röhren Stacheln als Fruchtschicht aufweist und sehr viel seltener vorkommt.

 

 

Juli 2016

 

Perlpilz (Amanita rubescens)

Einer der beliebtesten - aber auch mit am leichtesten zu verwechselnden - Speisepilze ist der Perlpilz (Amanita rubesens) . Man sollte diese leckere Wulstlingsart wirklich ausschließlich sammeln, wenn man sie ganz genau kennt. Das Erscheinungsbild kann von Biotop zu Biotop sehr unterschiedlich sein und es ist eindringlich zu warnen, diese Art zu sammeln, wenn auch nur der geringste Zweifel in der Bestimmung vorliegt. Warum so eindringlich? Nun, der Perlpilz  gehört der Familie der Wulstlinge an, der neben den tödlich giftigen Arten der Knollenblätterpilze auch der dem Perlpilz sehr ähnliche und hochtoxische Pantherpilz (Amanita pantherina) angehört. Nur wirklich erfahrene und versierte Pilzkenner sollten sich an diese Familie wagen - und auch jenen, die "schon immer" Perlpilze sammeln und genießen, sei gesagt: Jedes Exemplar eindringlich prüfen, nur eine kleine Unachtsamkeit kann schlimmstenfalls das Leben kosten.

 

 

Ich bin sehr gern als Pilzberater unterwegs - das Vorlegen der Pilze bei mir oder einem meiner vielen Kollegen genügen, um Ihre Perlpilzpfanne zum Genuss zu machen ;)

 

  

Pantherpilz (Amanita pantherina)

 

Juni 2016

Boletus erythropus - Flockenstieliger Hexenröhrling


Die "Flockenhexe", der Flockenstielige Hexenröhrling (Boletus erythropus) - mit seinen sofort dunkelblau anlaufenden Fleisch im Schnitt und auf Druck an Hut sowie Stiel und den roten Röhrenmündungen - oft unheimlich für "Neupilzler". Doch gibt es kaum einen schmackhafteren Speisepilz als diesen, der zudem selten madig ist. Das feste tiefgelbe Fleisch verliert nach einiger Zeit, vor allem beim braten und auch trocknen die Blaufärbung und nimmt seine appetitliches Gelb wieder an. 
Nah mit der auf Kalk wachsenden "Netzhexe", dem
Netzstieligen Hexenröhrling (Boletus luridus, jetzt Suillellus luridus) verwandt, kommt er auf sauren Böden vor und zeigt oft die Fundplätze des später erscheinenden Fichtensteinpilzes (Boletus edulis) an. 

Verwechslungen sollten bei genauem Hinsehen nicht vorkommen - so erscheint die Netzhexe an anderen Standorten und eine Verwechslung wäre nicht schädlich. Gut zu unterscheiden sind beide schon durch die verschiedenartige, im Namen festgehaltene, Stielzeichnung und die zu den roten Röhrenmündungen noch der Netzhexe eigene Rotfärbung des Röhrenbodens, der sich beim Durchschnitt des Hutes als rote Linie zwischen Röhren und Hutfleisch zeigt. 

Der Satanspilz (Boletus satanas, jetzt Suillellus satanas) kommt ebenfalls auf Kalk vor und fällt damit als Verwechsler aus, wobei dieser mit seinem bleichen Hut, dem nur leicht blauenden Fleisch, dem aasigen Geruch, der im Alter zunimmt, und der netzigen Stielzeichnung gut unterscheidbar ist. 

Wer auf die roten Röhrenmündungen achtet, kann die Flockenhexe zudem gut vom Schönfußröhrling (Boletus calopus, jetzt Caloboletus calopus) abgrenzen, der ähnliche Standorte bevorzugt, aber gelbe Röhren besitzt. Sein Fleisch ist bitter und läuft ebenfalls, allerdings nicht so heftig, blau im Schnitt an. Er grenzt sich zudem durch eine Netzzeichnung auf dem Stiel vom Flockenstieligen Hexenröhrling ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Mai 2016

 

Maiporling (Polyporus lepideus)

Alles neu macht der Mai - heißt es so schön. Wie wir wissen, ist der Mai im Reich der Fungi nicht der Monat allen pilzigen Beginns ... allerdings bringt auch er einige dieser wundersamen Geschöpfe hervor, wie z.B. den Maiporling (Polyporus lepideus). Leicht unterscheidbar von seinem sehr ähnlichen Verwandten, dem Winterporling (Lentinus brumalis) bereits durch die sehr viel feineren Poren an der Hutunterseite und den genatterten Stiel. Der nicht zu Speisezwecken geeignete Maiporling ist ein ausgesprochener Holzbewohner und so auf totem Laubholz allein oder in Gruppen daheim.

Wer ihn findet und gern kreativ ist, sollte sich einige Exemplare für die Herbst- und Wintergestecke mitnehmen. Sie verlieren recht wenig an Form und Größe, so dass sie sich wunderbar in die kleinen Basteleien einfügen. Um eventuelle Kleinstlebewesen aus der Dekoration zu verbannen, empfiehlt es sich, die Fruchtkörper nach dem Trocknen einmal ordentlich tiefzugefrieren.

 

April 2016

 

Morchelle esculenta - Speisemorchel

Zu den beliebtesten Speisepilzen überhaupt gehört wohl die Gattung der Morcheln. Die offizielle Pilzsaison wird von ihr eröffnet. Gern gesucht, leicht zu übersehen, werden Speisemorcheln (Morchella esculenta) aktive Tarnungseigenschaften und Bewegungsfähigkeit nachgesagt - was natürlich ins Land der Märchen gehört. Allerdings sind sie auf dem Frühjahrsboden im Laub des Vorjahres tatsächlich sehr gut getarnt, nicht zuletzt durch ihre wabenartige Struktur des Hutes, in denen sie ihre Sporen bildet. Alle morchelartigen Pilze gehören zu den Schlauchpilzen - es sind wohl die größten aus dieser Gruppe, die sonst größtenteils aus einer Vielzahl von größeren, kleinen und winzigen Becherlingen gebildet wird.

Gyromitra esulenta - Giftlorchel

 

So schmackhaft sie auch sind, sowohl die in Nadelwäldern oder auf gemulchten Flächen vorkommenden Spitzmorcheln (Morchella conica) - wie auch die in Auwäldern und verschiedenen anderen kalkreichen Biotopen vorkommenden Speisemorcheln stehen unter Artenschutz und dürfen nur für den Eigenbedarf in geringer Menge gesammelt werden. Ausserdem gilt es auch hier - sammeln Sie nur Pilze, die sie tatsächlich auch als die gesuchten Arten erkennen. Verwechslungen sind gemeinerweise auch bei Morcheln möglich, und zwar mit den als giftig geltenden Frühjahrs- oder Giftlorcheln (Gyromitra esculenta) sowie den Riesenlorcheln (Gyromitra gigas) die statt des wabigen, einen hirnwindungsartigen Hut besitzen und im Schnitt nicht hohl, wie die Morcheln, sind. So kommen Gift-und auch Riesenlorcheln durchaus - wenn auch sehr selten - an den gleichen Standorten vor und können bei Nachlässigkeit zu unangenehmen bis hin zu tödlich verlaufenden Vergiftungen führen. Es handelt sich bei dem Wirkstoff der Lorcheln um ein hitzeinstabiles Gift namens Gyromitrin. Noch heute werden in nordischen Ländern diese Pilze nach wie vor als Speisepilze gehandelt. Das Gift verflüchtigt sich bei starker Erhitzung und geht in die Kochdämpfe über. Die Gefahr liegt also nicht nur in der Vergiftung durch ungenügend gegarte Pilzmahlzeiten, sondern vor allem im Einatmen der Dämpfe. Von Experimenten in dieser Richtung rate ich also dringend ab.

Um die Verwirrung komplett zu machen, können auch genügend gegarte,eindeutig als Speise- und Spitzmorcheln erkannte und sicher bestimmte Pilze, zu unangenehmen Vergiftungen führen. So ist seit Kurzem das Morchella-Syndrom bekannt geworden. Ausgelöst wird es durch übermäßigen Genuss dieser Arten. Das Toxin ist noch weitestgehend unerforscht, fest steht allerdings, dass es nachweislich sehr langsam im menschlichen Körper abgebaut wird, so dass es sich durch häufige, kurz hintereinander zu sich genommene und große Mahlzeiten soweit anreichert,  dass innerhalb von bis zu 24 Stunden Übelkeit, Schwindel und Koordinationsschwierigkeiten auftreten können. Ist man einmal des Morchella-Syndrom anheim gefallen, soll es bei jeder Morchelmahlzeit wiederkehren.

... und hier noch ein - nicht ernst gemeinter - Tipp bei der Morchelsuche:
http://pilzseite.de/Rundbriefe/RB009_Morchelzieher.html

 

März 2016

Auriscalpium vulgare - Ohrlöffelstacheling


Auriscalpium vulgare - der Ohrlöffelstacheling
ist in diesem Monat mein Favorit. Dieser kleine, nur bis zu 5 cm große Pilz mit seiner außergewöhnlichen Erscheinung wird oft übersehen und doch gibt es ihn sehr häufig und ist im ganzen Jahr zu finden. Für Speisezwecke ist er einfach zu klein und mit einer hartgummiartigen Konsistenz völlig ungeeignet, also Fotomotiv allerdings immer wieder gern genommen. Er gehört zu den Stachelpilzen. Sein seitlicher, im Vergleich zum kleinen Hut, schlanker und hoher Stiel, erinnert an das in früheren Zeiten genutzte medizinische Instrument und hat daher seinen deutschen Namen erhalten. 

Suchen Sie den zierlichen und farblich unauffällig braun-schwarzen Pilz, der mit seiner filzigen Huthaut und dem mit dichtem Haarkleid besetzten Stiel oft, salopp gesagt kuschelig daherkommt - nah am Boden unter Kiefern und Koniferen werden sie auf vergrabenen oder teilvergrabenen Zapfen derselben fündig. Viel Glück und Spaß bei der Suche :)



Februar 2016

 

Judasohren - hier zusammen mit var. alba

Wer kennt sie nicht - die lapperigen "Chinesischen Morcheln" im Asia-Restaurant um die Ecke? Nur handelt es sich nicht um - wie man vermuten könnte - eine Art aus der Familie der Morcheln, sondern um eine Pilzart, die Judasohr (Auricularia auricula-judae) genannt wird. Als getrocknete Mu-Err oder Wolkenohrenpilze für Küche und teuer als Vitalpilz im Handel, kann man ihn in unseren Breiten durchaus häufig und dann oft in Massen selbst finden.

Zu Hause ist dieser ganzjährig vorkommende Weißfäuleerzeuger vorwiegend an altem Holunderholz, aber auch an anderen geschwächten oder toten Laubgehölzen. Wer ihn sucht, sollte also Bach- und Flussufer mit altem Holunderbestand aufsuchen - oder an holunderbewachsenen Feldrändern nach ergiebigen Regengüssen. Wer ganz viel Glück hat, bekommt die weiße Varietät zu sehen. Er ist recht geschmacksneutral und man muss die etwas gewöhnungsbedürftige Konsistenz mögen - als Pulver eignet er sich um Abbinden von Suppen und Saucen. 


Dem zu den Ohrenlappenpilzen gehörenden Vertreter wird entzündungshemmende und kreislauf- sowie cholesterinregulierende Wirkung nachgesagt.

 

 

 Januar 2016

Und wieder geht es in eine neues Pilzjahr ... und auch in diesem Jahr sollen wieder einige bekannte und weniger bekannte Arten in einem Kurzportrait vorgestellt werden. Den Anfang macht ein Pilz, der oft nicht ohne Weiteres als solcher erkannt wird.

Goldgelber Zitterling (Tremella mesenterica)


Der Goldgelbe Zitterling (Tremella mesenterica) gehört zu den gallertartigen Pilzen. Zu finden ist er vor allem an feuchten Tagen oder nach Regenfällen - seine Besonderheit und die seiner Verwandten: bei Trockenheit schrumpft er innerhalb kurzer Zeit zu einem nicht mehr erkennbaren Film auf dem Substrat, um bei genügender Feuchtigkeit wieder aufzuleben und seine volle Gestalt und Farbe zur Geltung zu bringen. Immer wieder weckt ein kleines Experiment vor allem unter den kleinen Pilzliebhabern Begeisterung: Sammeln Sie einige der häufig an toten Ästen vorkommenden Zitterlinge - trocknen sie diese. Die getrockneten Fruchtkörper in einem Glasschälchen mit der Blumenspritze nass machen - und nach einigen Stunden quellen die Zitterlinge wie durch Zauberhand wieder auf. 

Auch wenn diese Art nicht zu den klassischen Speisepilzen zählt ... in der asiatischen Küche wird er oft und gern zum Binden von Saucen verwendet. Er enthält keine Giftstoffe. Einen Eigengeschmack besitzen sie ebenfalls nicht. Netter Nebeneffekt soll die immunstabilisierende Wirkung der Pilze sein, was allerdings wissenschaftlich bisher nicht näher erforscht wurde, obwohl die Medizin bereits Interesse im Hinblick auf die Krebsheilung bekundet.


 

Dezember 2015

Samtfußrübling - Flammulina velutipes

Im Winter, wenn Schnee liegt und es recht kalt ist, kommen die wenigsten Menschen auf den Gedanken, dass es tatsächlich noch Speisepilze geben können. Wenn Sie aber mit offenen Augen durch unsere Wälder spazieren, können sie ihn finden - oft in großen Mengen - oft hoch über dem Boden an lebendem und totem Laubholz - den Samtfußrübling (Flammulina velutipes). Er ist einer der wenigen Pilzarten, denen Frost nichts ausmacht, die ihn im Gegenteil brauchen, um Fruchtkörper zu bilden. Dieser delikate Vertreter der weißsporenden Pilze, ist zu seiner Erscheinungszeit mit keinem anderen Pilz zu verwechseln, allein sein dunkler, samtiger Stiel sowie die gelb-orangenen, manchmal rotbraunen Hüte verraten ihn dem Feinschmecker. Trotzdem sollte, vor allem in milden Wintern, immer auch der Gifthäubling als Verwechsler in Betracht gezogen werden. 

Interessant ist, dass der Samtfußrübling kultiviert wird, als Enoki ist er seit vielen Jahrhundert in der Chinesischen Küche gern gesehener Gast, auch gilt er als Vitalpilz und wird als solcher häufig in frischer oder getrockneter Form vermarktet.


 

November 2015
 

Hydnellum peckii - Jugendstadium


In diesem Monat ist ein besonders begehrten Vertreter der Färbepilze mein Favorit, der Scharfe Korkstacheling (Hydnellum peckii). Wie alle Korkstachelinge ist er recht selten zu finden, aber wenn man das Glück hat, kommt er an dieser Stelle zu vielen Exemplaren zum Vorschein. Vorzugsweise erscheint er in gebirgigen Nadelwäldern und ist den hiesigen Forsten kaum zu finden.




 

Der Scharfe Korkstacheling mutet im Jugendstadium recht seltsam an, durch die Bildung von Gutationstropfen in blutroter Farbe, scheint er nicht von dieser Welt zu sein. Allerdings kann dies auch bei anderen Korkstachelingen vorkommen - allein sein scharfer Geschmack unterscheidet ihn oft von einem nahen Verwandten, dem Blutenden Korkstacheling (Hydnellung ferrugineum).

Zu Speisezwecken eignet sich keiner der Korkstachelinge, bereits durch ihre korkigen Konsistenz und Zähigkeit - wie der Name es bereits andeutet.

 

Scharfer, ............................................... Wohlriechender und ........................Orangefarbener Korkstacheling


 

Oktober 2015


 

Chroogomphus rutilus - Kupferroter Gelbfuß

Der Kupferrote Gelbfuß (Chroogomphuy rutilus) oder auch Kupferroter Schmierling ist unter Kiefern, vor allem auf Kalkböden, aber nicht ausschließlich, wenn er erscheint, oft zahlreich zu finden. Mit seiner recht einmaligen Erscheinung eignet er sich sehr gut auch für Anfänger als Speisepilz. Verwechslungen sollten dem aufmerksamen Sammler mit Schleierlingen nicht passieren, jene mit seinem nahen Verwandten, dem Kuhmaul (Gomphidius glutinosus), welcher vorwiegend unter Fichten daheim ist, sind unschädlich. Allerdings scheint der Kupferrote Gelbfuß rückläufig zu sein, so dass man sich überlegen sollte, ihn nicht nur aufgrund seiner schönen Erscheinung, vor allem seiner gebietsweisen Seltenheit zu schonen und sich daran zu erfreuen. Sollte man sich doch entscheiden, das eine oder andere Exemplar zu Genußzwecken zu verwenden, erlebt man eine kleine Überraschung im Kochgeschirr - bei Hitzeeinwirkung verfärbt sich das Fleisch dieses Pilzes in lila-violett um.

 

September 2015

Leccinum quercinum - Eichenrotkappe

 

Der farbenfrohe, zur Familie der Rauhfüße gehörende Speisepilz ist selten geworden in unseren Wäldern. Wie alle Rotkappen, besitzt auch die Eichenrotkappe (Lecciunum quercinum) den Status einer geschützen Art und darf daher nur im Rahmen der Sammelbeschränkung gesammelt werden. Eine Verwechslung, die keine gesundheitlichen Folgen nach sich ziehen würde, kann nur mit anderen Rauhstielröhrlingen, z.B. der Espenrotkappe, die, wie der Name schon andeutet, vorrangig unter Espen vorkommt, passieren, da alle Arten der Familie essbar sind. 

Alle Rauhfüße, zu denen neben den Rotkappen auch Birkenpilze und Hainbuchenrauhfußröhrlinge gehören, sind Mykorrhizapilze und gehen mit den von Art zu Art verschiedentlich bevorzugten Bäumen eine Symbiose ein.

Hat man das Glück eine Eichenrotkappe zu finden, sollte man sich an dem Anblick erfreuen und aufgrund seiner Seltenheit, dem Pilz die Pfanne ersparen.


 

August 2015

 

Echter Knoblauchschwindling - Mycetinis scorodonius


 

Der zierliche, ca. 3 cm große, Echte Knoblauchschwindling (Mycetinis scorodonius) auch Mousseron genannte Würzpilz, ist durch seinen intensiven Geruch nach Knoblauch einfach zu bestimmen. Er lässt sich frisch oder auch getrocknet sparsam zum Würzen verwenden, ohne den gefürchteten Geruch nach dem Mahl zu hinterlassen. Leider ist er in vielen Gegenden eher selten anzutreffen. Am ehesten zu finden ist er im Nadelwald, aber auch im Laubwald oder krautigen Stellen von Waldrändern auf Sandböden, manchmal auch auf Kalk, kann man nach dem wertvollen Pilz suchen.


 

Saitenstieliger Knoblauchschwindling - Mycetinis alliaceus


 

Oft begegnet uns ein anderer intensiv nach Knoblauch riechender Pilz, der Saitenstielige Knoblauchschwindling (Mycetinis alliaceus). Er ist wesentlich auffälliger und größer und wächst stets an oder auf totem Buchenholz und wird nicht selten durch den intensiven Duft wahrgenommen, noch bevor man ihn sieht. Seine Hüte sind für die Küche verwendbar, allerdings sehr viel minderwertiger als sein kleiner Bruder und nur frisch, da er sein Aroma beim Trocknen einbüßt. In größeren Mengen kann er unverträglich sein.


 


 


 


 

Juli 2015

Boletus luridus - Netzstieliger Hexenröhrling

Zu den ersten erscheinenden Dickröhrlingen des Jahres gehört der Netzstielige Hexenröhrling (Suillellus luridus, syn. Boletus luridus). Durch seine rötlich gefärbten Röhrenmündungen und die Blauverfärbung, die durch Pulvinsäure-Verbindungsreaktionen mit Sauerstoff im Anschnitt entsteht, meiden viele Pilzesammler diesen auf kalkhaltigen Böden vorkommenden Pilz. Er besitzt eine feste Konsistenz, ist allerdings oft von Maden befallen.

Nach neuesten Erkenntnissen ist auch der Genuss in Verbindung mit Alkohol unbedenklich. Derartige Berichte gründen wohl auf Verwechslungen mit dem in unseren Breiten (noch?) nicht heimischen Ochsenröhrling (Imperator torosus, syn. Boletus torosus), der den in Verbindung mit Alkohol aldehydabbauhemmend wirkenden Stoff Coprin enthalten soll, welcher sonst nur aus Arten der Tintlingsverwandten bekannt ist. Dies ist jedoch wissenschaftlich noch nicht abschließend bewiesen. Ausserdem gilt der Netzstielige Hexenröhrling als bei vielen Menschen unverträglich und steht deshalb nicht auf der Liste der freizugebenden Speisepilze der DGfM.

 

Boletus queletii - Glattstieliger Hexenröhrling

 

Der Flockenstielige Hexenröhrling (Boletus erythropus), der einen  höheren Speisewert besitzt als der Steinpilz, unterscheidet sich nicht nur durch die andersartige Stielzeichnung und Hutfarbe, der die Olivtöne der "Netz-Hexe" fehlen, sondern auch durch den rötlich gefärbten Röhrenboden, den die "Netz-Hexe" besitzt, der der "Flocken-Hexe" aber fehlt. Ausserdem bevorzugt der Flocki eher saure Böden.

 

 

 

In den hiesigen Kalk-Buchenwäldern kann man mit viel Glück einen seltenen Verwandten antreffen, der ebenso eßbar, jedoch als Seltenheit zu schützen ist. Dabei handelt es sich um den Glattstieligen Hexenröhrling (Suillellus queletii, syn. Boletus queletii), welcher sich nur durch das Fehlen jeder Art von Zeichnung von beiden vorgenannten unterscheidet.

Ausserdem kann es zu Verwechslungen mit anderen Röhrlingen mit roten Röhren oder Röhrenmündungen kommen, die zwar recht unangenehm, jedoch nicht lebensbedrohlich sind, z.B. dem Satansröhrling (Rubroboletus satanas, syn. Boletus satanas), der zudem sehr sehr selten seine totenkopfgrauen Hüte zeigt und auf das Magen-Darm-System wirkt. 

Der bitter schmeckende, ebenfalls magen-darmgiftige Schönfußröhrling (Caloboletus calopus, syn. Boletus calopus) unterscheidet sich durch leuchtend gelbe Röhren.


 

 

Juni 2015

Kuehneromyces mutabilis - Stockschwämmchen

 

Zu den schmackhaftesten Speisepilzen überhaupt zählt das viel gesuchte Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis). Wenn man üppig bewachsene Baumstümpfe oder Stämme entdeckt, ist eine Ernte meist sehr ergiebig. Die büschelig wachsenden Pilze eignen sich gut für Pilzsuppen oder als Einlage in Saucen. 

Galerina marginata - Gifthäubling

Trotz der Begeisterung für diesen sehr leckeren Pilz ist sehr große Vorsicht geboten. Für Sammelanfänger ist von der Verwertung dieser Pilzart abzuraten. Fatale Verwechslungen kommen oft vor, und zwar mir dem tödlich giftigen Gifthäubling (Galerina marginata). Es ist also unabdingbar, beide Arten sehr genau zu kennen und bestenfalls beide bereits im direkten Vergleich vor sich gehabt zu haben. Bei der allergeringsten Unsicherheit empfiehlt es sich auf ein Mahl zu verzichten, zumal beide Arten bereits gleichzeitig auf einem und demselben Stamm oder Stumpf gefunden wurden, wobei es auch völlig irrelevant ist, ob es sich um Laub- oder Nadelhölzer als Substrat handelt. Auch bei genauer Kenntnis, ist jedes einzelne eingesammelte Exemplar zu prüfen. Von dem, bei vielen Sammlern mit vermeindlich guter Artenkenntnis übliche "Hütchenernten", ist absolut abzuraten, da die Bestimmung ohne den Stiel nur anhand von Pilzhüten nicht eindeutig und meist sogar unmöglich ist. Zwar unterscheidet beide bereits die Sporenpulverfarbe, aber ganz ehrlich: Wer lässt sein Abendessen vor der Zubereitung aussporen? Zur Pilzberatung mitgebrachte Einzelhüte werden auch rigoros aussortiert - das Vorlegen kompletter Fruchtkörper ist unabdingbar. 

 

Mai 2015

 

Calocybe gambosa - Maipilz

 
Der Maipilz (Calocybe gambosa), oft auch, obwohl nicht in die Familie der Ritterlinge, sondern zu den Schönköpfen gehörend, Mairitterling genannt, bereichert den Speiseplan des frühen Sammlers mit oft ergiebigen Fundstellen. Geschmacklich scheiden sich die Geister - ich persönlich mag sie sehr gern (scharf gebraten in Butter und etwas Meersalz), andere stören sich an dem durchaus kräftigen Mehlgeruch und -geschmack, der diese Pilzart kennzeichnet. Bei der oben genannten Zubereitungsart verliert sich meines Erachtens der als störend empfundene Beigeschmack völlig.

  

Inocybe erubescens - Ziegelroter Rißpilz

Zu verwechseln ist der häufig an Weg- und Waldrändern vorkommende Pilz mit jungen Exemplaren des giftigen Mairißpilz oder auch Ziegelroten Rißpilz (Inocybe erubescens), der bei Verzehr durch sein enthaltenes Gift Muscarin zu Atemlähmungen führen kann. Da dieser die gleichen Anforderungen an seinen Standort stellt, kann es durchaus vorkommen, dass beide Arten zur selben Zeit am selben Platz wachsen. Im Alter und an verletzten Stellen verfärbt sich der Ziegelrote Rißpilz, seinem Namen entsprechend, mehr und mehr ziegelrot und kann schon dadurch von dem sich nicht verfärbenden Maipilz gut unterschieden werden. Der Geruch ist ebenso ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, da dem Rißpilz der mehlartige Geruch völlig fehlt, er geht eher in eine obstartige Richtung. Auf Gerüche als alleiniges Unterscheidungsmerkmal sollte sich allerdings keinesfalls verlassen werden, da das menschliche Empfinden von Gerüchen sich prinzipiell deutlich unterscheidet und unterschiedlich stark wahrgenommen werden kann. Eine genaue Kenntnis der Sammelart und seiner giftigen Doppelgänger ist daher unerläßlich. 

Ebenso ist der Maipilz mit dem Riesenrötling (Entoloma sinuatum) verwechselbar, der sich ebenfalls die Erscheinungszeit sowie das Habitat mit ihm teilen kann.


 

 April 2015

Adriger Morchelbecherling (Disciotis venosa)


Der erste entdeckte Aderige Morchelbecherling (Disciotis venosa) im Jahr läutet die Morchelzeit ein, immerhin gehört er zur Familie der begehrten Speisepilze und ist zudem noch unverwechselbar mit seinen stark nach Chlor riechenden, großen (bis zu 15 cm im Durchmesser) Fruchtkörpern. Sein Fleisch ist recht brüchig und der intensive Schwimmbadgeruch verfliegt bei der Zubereitung. Er eignet sich hervorragend zum Trocknen und verliert dabei nichts von seinem feinen Aroma. Auch er gehört zu den geschützten Arten und unterliegt somit einer Sammelbeschränkung, die es zu beachten gilt.

Man findet diesen schmackhaften Vertreter der Schlauchpilze, wie auch seine Verwandten in Auwäldern auf kalkhaltigen Böden, oft in Begleitung von Eschen. 


1  

Kleiner Tipp: Um den richtigen Lebensraum aufzuspüren, achten Sie auf die Begleitpflanzen, die sogenannten Kalkanzeiger, z.B. Aronstab, Schlüsselblume, Scharbockskraut, Waldmeister, Pestwurz, Lungenkraut und Bärlauch, um nur einige zu nennen.

Die kleine Galerie konnte Dank eines lieben Pilzfreundes erweitert werden, der immer ein wachsames Auge auf diese Seite hat. Vielen Dank lieber Karl.

 

 

März 2015

  

Buchenfruchtschalen-Holzkeulchen (Xylaria carpophila)

Zu den Schlauchpilzen gehörend, mit einer maximalen Größe von 2 cm - 5 cm sind sie nicht leicht zu finden: Die Buchenfruchtschalen-Holzkeulchen (Xylaria carpophila). Es sollen allerdings auch schon durchaus größere Exemplare gefunden worden sein.

Wenn man weiß, wo man suchen muss, ist sie jedoch in jedem mit Buchen bestandenen Areal anzutreffen, vorausgesetzt das Laub ist genügend feucht. Dieses kleine Holzkeulchen ist durchaus häufig, aber wenig bekannt. Heben sie einfach das Laub an (vor allem für Kinder eine spannende Suche) und schauen nach den vorjährig verbliebenen Bucheckernschalen, auf denen die Pilzchen fruchten. Sie werden erstaunt sein, wie schnell sie diese kleinen Pilze selbst betrachten können.